Anna Netrebko polarisiert bei Berliner Un ballo in maschera-Premiere mit Protesten und Jubel
Hannah WeberAnna Netrebko polarisiert bei Berliner Un ballo in maschera-Premiere mit Protesten und Jubel
An der Berliner Staatsoper Unter den Linden feierte eine Neuinszenierung von Un ballo in maschera mit Anna Netrebko in der Hauptrolle Premiere. Die von Rafael R. Villalobos inszenierte Produktion erntete sowohl begeisterten Applaus als auch vereinzelt Buhrufe aus dem Publikum. Vor dem Opernhaus versammelten sich etwa 50 Demonstranten mit ukrainischen Fahnen, um ihren Protest zum Ausdruck zu bringen.
Die fast dreistündige Aufführung von Verdis Oper war Teil des Festspielprogramms des Hauses. Netrebko, die die Rolle der Amelia übernahm, sah sich einer gespaltenen Resonanz ausgesetzt – vor dem Hintergrund anhaltender Kontroversen um ihre früheren Verbindungen zu Russland.
Die Premiere stand unter besonderer Beobachtung. Vor der Vorstellung skandierten die Protestierenden Parolen wie "Keine Bühne für Putin-Unterstützer" und "Russland ist ein Terrorstaat". Ihre Kundgebung richtete sich gegen Netrebkos Auftritt im Kreml 2021 anlässlich Putins Geburtstag sowie ihre wahrgenommene Nähe zum russischen Präsidenten.
Im Theater selbst waren die Reaktionen geteilt: Während Netrebko von vielen Zuschauern begeistert gefeiert wurde, gab es bei den Vorhangrufen auch Pfiffe. Die Inszenierung von Villalobos bezog dabei Elemente der queeren Ballroom-Kultur und Anspielungen auf die AIDS-Krise ein.
Seit 2022 hat Netrebkos Karriere erhebliche Rückschläge erlitten. Wichtige Häuser wie die Met in New York und die Wiener Staatsoper sagten ihre Auftritte nach dem russischen Angriff auf die Ukraine ab. Zwar distanzierte sie sich später von Putin und kehrte nicht nach Russland zurück, doch ihr Image in westlichen Ländern bleibt umstritten. Bis 2026 hatte sie zwar vereinzelte Auftritte wiederaufgenommen, doch eine vollständige Rückkehr auf die großen Bühnen steht noch aus.
Intendantin Elisabeth Sobotka äußerte sich vor der Premiere zu den Kontroversen. Sie verwies auf Netrebkos öffentliche Verurteilung des russischen Vorgehens und ihre österreichische Staatsbürgerschaft als Gründe für die Entscheidung, die Produktion wie geplant durchzuführen. Das Orchester und das Ensemble der Staatsoper erhielten unterdessen durchweg Lob für ihre musikalische Leistung.
Die Berliner Premiere markiert Netrebkos jüngsten Versuch, ihre Karriere unter anhaltender politischer Beobachtung wiederaufzubauen. Trotz Protesten und gespaltenen Publikumreaktionen wurde die Vorstellung wie vorgesehen aufgeführt. Die Entscheidung der Staatsoper, sie zu engagieren, spiegelt die anhaltenden Debatten über Kunst, Politik und Verantwortung im Kulturbetrieb wider.






