ARD und ZDF vernachlässigen Wirtschaftsthemen in Talkshows – Studie enthüllt dramatischen Rückgang
Lina KrügerARD und ZDF vernachlässigen Wirtschaftsthemen in Talkshows – Studie enthüllt dramatischen Rückgang
Öffentlich-rechtliche Sender ARD und ZDF stehen in der Kritik, weil sie in ihren Talkshows wirtschaftliche Themen vernachlässigen. Eine aktuelle Studie zeigt, dass sich 2023 und 2025 nur etwa ein Fünftel der Folgen mit Wirtschaftspolitik beschäftigte – und der Anteil in den letzten Monaten weiter gesunken ist. Kritiker werfen den Sendern vor, in einer Phase des wirtschaftlichen Abschwungs in Deutschland die Stimme der Wirtschaft zu ignorieren.
Die Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft (INSM) hat für die Untersuchung 284 Folgen aus den Programmen von ARD und ZDF der Jahre 2023 und 2025 analysiert. Das Ergebnis: Nur 56 Sendungen – das entspricht 19,7 Prozent – widmeten sich der Wirtschaftspolitik. Besonders auffällig ist der Rückgang: 2023 behandelten noch 33 Prozent der Formate wirtschaftliche Themen, 2025 waren es nur noch 20 Prozent.
Auch bei der Zusammensetzung der Gäste zeigte sich ein Ungleichgewicht. Mit 41 Prozent dominierten Politiker die Runden, gefolgt von Journalisten mit 27 Prozent. Ökonomen waren mit 14 Prozent vertreten, Unternehmer kamen lediglich auf 5 Prozent. Vertreter von Wirtschaftsverbänden waren sogar nur in 2 Prozent der Sendungen zu Gast.
Die Unterschiede zwischen den einzelnen Formaten waren deutlich. Die Sendung hart aber fair stach hervor: 39 Prozent der Folgen beschäftigten sich mit Wirtschaftsthemen, und stets waren auch Vertreter aus der Wirtschaft dabei. Dagegen schnitt Maischberger schlecht ab – in 80 Prozent der wirtschaftsbezogenen Folgen fehlte jede unternehmerische Perspektive. Insgesamt verzichteten 32 Prozent aller Sendungen mit wirtschaftlichem Schwerpunkt komplett auf Stimmen aus der Wirtschaft.
INSM-Geschäftsführer Thorsten Alsleben warf den Sendern vor, ihrem öffentlichen Auftrag nicht gerecht zu werden. Die fehlende Einbindung von Praktikern in wirtschaftliche Debatten schade dem Verständnis der Zuschauer für diese Themen, betonte er. Seine Kritik fällt in eine Zeit, in der Deutschland mit anhaltenden wirtschaftlichen Herausforderungen kämpft.
Die Studie belegt einen klaren Rückgang der Wirtschaftsberichterstattung in den Talkshows von ARD und ZDF. Da Vertreter aus der Wirtschaft nur selten zu Wort kommen, werden die Forderungen nach einer Reform immer lauter. Alsleben forderte die Sender auf, künftig mehr Unternehmer und Branchenexperten in die Diskussionen einzubinden.






