Bachmannpreis 2024: Schaette holt Doppelsieg bei hitzigen Literaturtagen
Hannah WeberBachmannpreis 2024: Schaette holt Doppelsieg bei hitzigen Literaturtagen
Die 50. Tage der deutschsprachigen Literatur enden mit Preisträgern und hitzigen Debatten
Die 50. Ausgabe der Tage der deutschsprachigen Literatur ist mit der Bekanntgabe der Gewinner und lebhaften Diskussionen zu Ende gegangen. Die Veranstaltung, bekannt für ihre scharfe Kritik und hohe Spannung, sah sich Autoren einer Jury aus sieben Frauen im Wettbewerb um den Bachmannpreis gegenüber. In diesem Jahr dominierten wirtschaftliche und literarische Themen die Debatten.
Während des Wettbewerbs analysierte die Jury die Texte vor den Augen der Autoren. Gelobt wurden erfinderische Ideen und starke Prosa, wobei nur wenige Beiträge komplett durchfielen. Slata Roschal sorgte für Aufsehen, als sie ankündigte, unmittelbar nach ihrer Lesung zu gehen und sich der Jury nicht zu stellen. Ihre Geschichte, die zwar prekäre Verhältnisse streifte, konzentrierte sich vor allem auf die Literaturszene selbst. Zudem kritisierte sie die etablierten Institutionen für schlecht bezahlte Stipendien und magere Gewinnspannen.
Ozan Zakariya Keskinkılıç erhielt den Deutschlandfunk-Preis für seinen Text Vater ohne Sohn. Kinga Tóth gewann den KELAG-Preis für ihren sprachlichen Witz und ihre Polyphonie, in der sie das Leben eines „Ostblock-Mädchens“ schilderte. Als wiederkehrendes Motiv tauchte der „Fleck“ in vielen Werken und Genres auf. Einige Texte wurden für ihre Arbeiterklasse-Perspektiven gefeiert und als „wunderbar proletarisch“ beschrieben.
Am Ende ging Schaette mit dem 30.000-Euro-Hauptpreis des Bachmannpreises sowie dem Publikumspreis für ihren Text Was wir tragen als doppelte Siegerin hervor. Die Veranstaltung erinnerte auch an das Erbe Ingeborg Bachmanns und bezog sich auf ihr Hörspiel Der gute Gott von Manhattan, in dem Gott vor Gericht steht.
Das diesjährige Festival zeigte sowohl literarisches Talent als auch brancheninterne Spannungen. Schaettes Doppelsieg war ein Höhepunkt. Gleichzeitig setzten sich die Diskussionen über faire Bezahlung und Repräsentation in der Literatur noch lange nach den Lesungen fort.
