Covestro verschwindet von der Börse – was die ADNOC-Übernahme für Deutschlands Chemie bedeutet
Emma MayerCovestro verschwindet von der Börse – was die ADNOC-Übernahme für Deutschlands Chemie bedeutet
Deutschlands Chemieindustrie steht 2026 vor tiefgreifenden Umbrüchen
Die Übernahme von Covestro durch ADNOC nähert sich dem Abschluss, während BASF vor den schwierigsten Rahmenbedingungen seit Jahrzehnten warnt. Gleichzeitig wurden zwar Tarifabschlüsse erzielt – doch Stellenabbau und Produktionsrückgänge zeichnen sich bereits ab.
Die Übernahme von Covestro durch ADNOC befindet sich in der finalen Phase. Das in Abu Dhabi ansässige Unternehmen hält gemeinsam mit seinem Partner XRG mittlerweile über 95 Prozent der Covestro-Aktien. Ein im März eingereichtes Squeeze-out-Angebot wird das Unternehmen in Kürze von der Börse nehmen. Der aktuelle Aktienkurs liegt bei 59,54 Euro – knapp über dem festen Barangebot von ADNOC in Höhe von 59,46 Euro pro Aktie.
Der Deal folgt auf einen deutlichen Wertverfall von Covestro. Noch Ende 2025 war das Unternehmen 14,7 Milliarden Euro wert, doch die Marktkapitalisierung sank auf rund 12,35 bis 12,41 Milliarden Euro. Die Ergebnisse für 2025 zeigten einen Rückgang des EBITDA um 30,9 Prozent auf 740 Millionen Euro sowie einen negativen Free Cashflow. Analysten zufolge spiegelt die Bewertung des Unternehmens mittlerweile weniger die Ertragskraft als vielmehr die Übernahmebedingungen wider – das KGV für 2026 liegt bei 98,3.
Parallel haben ADNOC und OMV die Unternehmen Borealis, Borouge und Nova Chemicals zur Borouge Group International (BGI) fusioniert. Die Transaktion, deren Abschluss für Ende März 2026 geplant ist, schafft den viertgrößten Kunststoffhersteller der Welt. Covestro wird künftig unter diesem Dach agieren, mit Roger Kearns als Vorstandsvorsitzendem und Stefan Doboczky als Vertriebsvorstand.
Doch die gesamte deutsche Chemieindustrie kämpft mit massiven Herausforderungen. BASF-Chef Markus Kamieth bezeichnete die aktuelle Lage als die "schwierigste seit 25 Jahren" und verwies auf hohe Energiepreise sowie globalen Wettbewerbsdruck. Das Ifo-Institut prognostiziert weitere Produktionskürzungen und Stellenstreichungen bis 2026. Trotz dieser Belastungen einigten sich die Industriegewerkschaft Bergbau, Chemie, Energie (IG BCE) und der Bundesarbeitgeberverband Chemie (BAVC) auf Lohnerhöhungen: 2027 steigen die Gehälter um 2,1 Prozent, 2028 kommt ein weiterer Aufschlag von 2,4 Prozent hinzu.
Mit dem bevorstehenden Börsenrückzug von Covestro in den kommenden Wochen endet dessen eigenständige Präsenz am Kapitalmarkt. Die neu gegründete BGI wird die Kunststoffbranche neu ordnen, während sich die deutsche Chemieindustrie auf weitere Stellenstreichungen und sinkende Produktionszahlen einstellen muss. Die vereinbarten Lohnerhöhungen bringen zwar Entlastung – doch die Zukunft der Branche bleibt angesichts anhaltender finanzieller Belastungen ungewiss.






