Deutsche Firmen bauen im Ausland auf – und setzen daheim auf Roboter statt Jobs
Emma MayerDeutsche Firmen bauen im Ausland auf – und setzen daheim auf Roboter statt Jobs
Deutsche Unternehmen verlagern zunehmend Produktion und Forschung ins Ausland, während sie sich im Inland auf Automatisierungsvorhaben konzentrieren. Eine aktuelle Umfrage der Unternehmensberatung Horváth und des Handelsblatts unter 1.000 Firmen unterstreicht diesen Wandel: Immer mehr Unternehmen setzen auf eine „Local-for-Local“-Strategie, um globale Märkte besser zu bedienen. Hohe Lohnkosten, Bürokratie und Energiepreise treiben diese Entwicklung voran.
Laut der Studie sollen bis 2030 rund 40 Prozent der Investitionsbudgets in Deutschland bleiben – vor allem für die Instandhaltung bestehender Standorte und die Automatisierung. Neue Kapazitäten und Arbeitsplätze entstehen jedoch vermehrt im Ausland, insbesondere in Indien, China, Nordamerika, dem Nahen Osten und Afrika. Nur 16 Prozent der befragten Unternehmen planen, ihren Personalbestand in Deutschland auszubauen.
Viele Firmen entwickeln sich vom reinen Exportmodell hin zu global verteilten Produktionsnetzwerken. Während Hauptsitze und Kernfunktionen in Deutschland bleiben, werden Forschung und Entwicklung näher an lokale Kundenbedürfnisse verlagert. Fast jedes Industrieunternehmen will bis 2030 seine Präsenz in Indien ausbauen – doch durch Automatisierung und KI entstehen dabei kaum neue Arbeitsplätze.
Der Chemiekonzern Evonik hat angekündigt, weitere 3.200 Stellen abzubauen, überwiegend an deutschen Standorten. Bereits seit 2024 waren rund 2.800 Verwaltungsstellen gestrichen worden. Bis zum ersten Quartal 2026 hatte die deutsche Industrie 127.300 Arbeitsplätze verloren – ein Rückgang um 2,3 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Seit 2019 summieren sich die Jobverluste auf 341.500. Die Arbeitskosten in Deutschland liegen 22 Prozent über dem EU-Durchschnitt und sind mehr als doppelt so hoch wie in Asien oder Osteuropa.
Der Trend zeigt: Deutsche Unternehmen setzen im Inland auf Automatisierung, während sie Produktion und Forschung im Ausland ausbauen. Investitionen in Deutschland dienen vorrangig der Aufrechterhaltung der bestehenden Strukturen, während Wachstum und neue Arbeitsplätze im Ausland entstehen. Die Verlagerung ist Teil einer Strategie, Kosten zu senken und sich den Anforderungen globaler Märkte anzupassen.
