Deutschland plant erstes Gesetz gegen digitale Gewalt und Deepfake-Pornografie
Clara SchneiderGesetz gegen digitale Gewalt 'auf der Zielgeraden' - Deutschland plant erstes Gesetz gegen digitale Gewalt und Deepfake-Pornografie
Deutschland bereitet sein erstes bundesweites Gesetz gegen digitale Gewalt vor. Der von Bundesjustizministerin Stefanie Hubig (SPD) vorangetriebene Gesetzentwurf zielt darauf ab, schädigendes Online-Verhalten wie Deepfake-Pornografie unter Strafe zu stellen. Fachleute und Politiker begrüßen den Vorstoß und argumentieren, dass die bisherigen Schutzmaßnahmen unzureichend seien.
Der Druck auf schärfere Regelungen wächst vor dem Hintergrund prominenter Fälle, darunter die Vorwürfe der Schauspielerin Collien Fernandes gegen ihren Ex-Partner Christian Ulmen. In der Auseinandersetzung wurde bereits mit rechtlichen Schritten gegen Medienberichte gedroht.
Das geplante Gesetz zum Schutz vor digitaler Gewalt würde die Erstellung und Verbreitung pornografischer Deepfakes verbieten. Opfer erhielten das Recht, für solche Straftaten genutzte Accounts sperren zu lassen. Ein weiterer zentraler Punkt ist die beschleunigte Löschung erniedrigender Bilder aus dem Internet, flankiert von härteren Strafen für Täter.
Um Ermittlungen zu unterstützen, sollen Internetanbieter verpflichtet werden, IP-Adressen drei Monate lang zu speichern. Hubigs Vorhaben stößt in ihrer Partei auf breite Zustimmung. Berlins Innensenatorin Iris Spranger (SPD) und die rechtspolitische Sprecherin Carmen Wegge betonten, Deutschland habe im Vergleich zu anderen Ländern bei der Bekämpfung digitaler Gewalt Nachholbedarf.
Die Debatte verschärfte sich, nachdem Fernandes Ulmen öffentlich beschuldigt hatte, missbräuchliches Verhalten an den Tag gelegt zu haben. Ulmens Anwalt Christian Schertz kündigte daraufhin an, gegen Medienhäuser klagen zu wollen, da deren Berichterstattung auf einer "einseitigen Darstellung" beruhe. Trotz wachsender Besorgnis hat bisher kein deutsches Bundesland eigene Gesetze speziell gegen digitale Gewalt erlassen.
Rechtsexperten und familienpolitische Sprecher der SPD loben Hubigs Initiative als notwendigen Schritt. Sie argumentieren, dass bestehende Regelungen wie das kommende Gewaltschutzhilfegesetz (in Kraft ab Februar 2025) Online-Missbrauch nicht ausreichend abdecken. Das neue Gesetz würde diese Lücke schließen, indem es sich auf digitale Bedrohungen und Belästigung konzentriert.
Der Entwurf würde Betroffenen wirksamere Mittel an die Hand geben, um sich gegen digitale Angriffe zur Wehr zu setzen. Bei Verabschiedung wäre es das erste spezifische Gesetz Deutschlands gegen digitale Gewalt. Behörden und Aktivisten warten nun auf die finale Fassung, die in den kommenden Monaten erwartet wird.






