Deutschland plant Social-Media-Verbot für Minderjährige – doch wie soll es funktionieren?
Lina KrügerDeutschland plant Social-Media-Verbot für Minderjährige – doch wie soll es funktionieren?
Deutschland steht kurz vor der Finalisierung eines Verbots von sozialen Medien für jüngere Nutzer:innen. Mit der Maßnahme soll der Zugang zu Plattformen wie TikTok und Instagram altersabhängig eingeschränkt werden. Die Behörden arbeiten derzeit an den letzten technischen und rechtlichen Details, bevor der Plan in den kommenden Tagen vorgestellt wird.
Ein ähnlicher Ansatz in Österreich zeigt bereits Wirkung. Über 72.000 Schüler:innen nahmen kürzlich an einem dreiwöchigen Experiment teil, in dem sie auf Smartphones verzichteten – mit dem Ergebnis besserer Konzentration und weniger negativer Gedanken.
Das von der deutschen Regierung geplante Verbot zielt auf den Zugang Minderjähriger zu sozialen Medien ab. Die Umsetzung birgt jedoch Herausforderungen, insbesondere bei der Alterskontrolle. Anders als beim Kauf von Alkohol oder Tabak erfordert die Überprüfung des Alters von Smartphone-Nutzer:innen ein anderes System.
Eine mögliche Lösung wäre eine Altersverifikations-App nach dem Vorbild des österreichischen ID Austria-Systems. Diese Methode könnte verhindern, dass Nutzerdaten an ausländische Tech-Konzerne übermittelt werden. Noch ist jedoch unklar, für welchen Ansatz sich die Verantwortlichen endgültig entscheiden werden.
Der Vorstoß für strengere Regeln folgt den Erkenntnissen aus dem österreichischen Smartphone-Experiment, einer bundesweiten Studie. Schüler:innen, die 21 Tage lang auf ihre Geräte verzichteten, berichteten von mehr Freizeit und einer höheren Lebensqualität. Psycholog:innen führten diese Effekte sowohl auf die Abwesenheit der Smartphones als auch auf den Rückgang von Stress durch Social-Media-Inhalte zurück.
Frühere Versuche wie das Schulprojekt GRG23 in Wien-Liesing bestätigten diese Ergebnisse. Die Teilnehmer:innen erlebten während der dreiwöchigen Pause eine bessere Konzentrationsfähigkeit und weniger negative Gedanken. Allerdings wurde hier keine Altersverifikation wie ID Austria getestet – der Fokus lag allein auf dem Smartphone-Verzicht.
Die deutschen Behörden müssen zudem sicherstellen, dass das Verbot die Grundrechte wahrt. Da soziale Medien eine Rolle in Kommunikation, Bildung und sozialem Austausch spielen, gestaltet sich jede Einschränkung rechtlich komplex.
Die Ankündigung des deutschen Verbots wird in den nächsten Tagen erwartet, sobald die letzten Anpassungen abgeschlossen sind. Falls umgesetzt, würde es jüngeren Nutzer:innen den Zugang zu den großen Plattformen beschränken. Die österreichischen Experimente zeigen unterdessen sowohl die Schwierigkeiten bei der Durchsetzung als auch die potenziellen Vorteile einer reduzierten Social-Media-Nutzung unter Jugendlichen.






