Joey Skaggs' Aprilscherz-Parade verwirrt New York seit 40 Jahren mit Satire und Täuschung
Hannah WeberJoey Skaggs' Aprilscherz-Parade verwirrt New York seit 40 Jahren mit Satire und Täuschung
Seit fast vier Jahrzehnten verwandelt der Künstler und Scherzkeks Joey Skaggs die New Yorker Fifth Avenue in eine Bühne des Absurden. Seine jährliche Aprilscherz-Parade, die seit 1986 stattfindet, verbindet Satire mit Spektakel und lädt die Zuschauer ein, die Realität infrage zu stellen. Auch in diesem Jahr versprach die Veranstaltung wieder übertriebene Behauptungen – und setzte damit eine Tradition fort, die sowohl die Öffentlichkeit als auch die Presse an der Nase herumführt.
Skaggs begann seine Streiche einst als Protest gegen die seiner Meinung nach selbstverliebte Kunstwelt. Mit der Zeit entwickelte sich seine Aprilscherz-Parade zu einer Plattform für immer ausgefallenere Themen – von einem Donald-Trump-Doppelgänger-Wettbewerb bis hin zu einer Y2K-Apokalypse-Party. Die Dimensionen der Parade werden in Pressemitteilungen oft maßlos übertrieben, was die Verwirrung noch verstärkt: Was ist echt, und was ist nur inszeniert?
Die Medien spielen in Skaggs' Werk eine zentrale Rolle – nicht selten verbreiten sie seine Scherze unbewusst noch weiter. 1985 veröffentlichte etwa das Magazin Sports Illustrated eine Geschichte über Hayden "Sidd" Finch, einen erfundenen Mets-Pitcher, der angeblich 270 km/h werfen konnte, obwohl er nie Baseball gespielt hatte. Der Artikel pries Finch als "exzentrisches Genie" – und die Leser glaubten es, bis der Aprilscherz enthüllt wurde. 1998 wiederum ließ sich David Bowie dazu überreden, eine Eröffnungsfeier für einen erfundenen Verlag zu moderieren – einer von Skaggs' prominentesten Coups.
Die Reaktionen auf die Parade waren über die Jahre gemischt. Renommierte Medien wie die New York Times oder Vice feierten ihren satirischen Biss, während The Guardian und lokale Blogs ihren Platz angesichts ernster Weltgeschehen hinterfragten. Trotz gelegentlicher Skepsis gab es jedoch nie nennenswerten Widerstand. Skaggs sieht in der Parade eine Möglichkeit, "die Menschen wieder mit ihrer angeborenen Albernheit in Kontakt zu bringen" und Autoritäten durch Lachen herauszufordern.
Die diesjährige Pressemitteilung spielte bewusst mit dem Thema Täuschung und forderte die Teilnehmer auf, sich zu fragen: "Was ist real – und was nicht?" Wie immer vermischte die Veranstaltung Wahrheit und Fiktion und ließ Besucher wie Journalisten noch lange nach dem letzten Konfettiregen rätseln.
Die Parade bleibt ein fester Bestandteil des New Yorker Kulturkalenders und zieht Scharen von Menschen an, die ihre spielerische Rebellion zelebrieren. Skaggs' Geschick, die Medienberichterstattung für seine Zwecke zu nutzen, hält die Tradition am Leben und sorgt dafür, dass jede Ausgabe Gesprächsstoff liefert. Ob als Kunst, Protest oder schlichte Schabernack – die Aprilscherz-Parade stellt Jahr für Jahr die Grenze zwischen Glauben und Skepsis auf die Probe.






