Mainz 1976: Zwischen Altstadtsanierung, Studentenprotesten und eisiger Kälte
Clara SchneiderMainz 1976: Zwischen Altstadtsanierung, Studentenprotesten und eisiger Kälte
Mainz zwischen Herausforderungen und Fortschritt im Jahr 1976
Mainz steht 1976 vor einer Mischung aus Problemen und positiven Entwicklungen. Die Stadt setzt ihre seit Jahren laufenden Bemühungen zur Restaurierung der Altstadt fort, während Studierende mit steigenden Kosten und Verzögerungen bei der Auszahlung von Fördergeldern kämpfen. Gleichzeitig wurde ein markantes neues Kunstwerk enthüllt, und extreme Winterwetterbedingungen haben in der Region ihre Spuren hinterlassen.
Die Revitalisierung der Mainzer Altstadt, die 1972 begann, bleibt ein zentrales Vorhaben. Bis 1975 waren bereits 145 neue Sozialwohnungen errichtet worden, um verlorenen Wohnraum zu ersetzen. Im aktuellen Haushaltsplan hat die Stadt nun über 13 Millionen D-Mark bereitgestellt, um das Projekt bis 1983 oder 1984 abzuschließen.
Eine rekordkalte Phase Ende Januar ließ die Temperaturen am Frankfurter Flughafen auf –22°C sinken. In ganz Europa starben etwa 20 Menschen an den Folgen der eisigen Kälte. In Mainz fielen in höher gelegenen Straßen massenhaft Autobatterien aus, da die Kälte den Fahrzeugen stark zusetzte.
An der Universität Mainz schrieben sich für das Wintersemester 1975/76 trotz strenger Numerus-clausus-Beschränkungen über 19.000 Studierende ein. Viele litten unter finanzieller Belastung, da die Mieten in den Wohnheimen um 40 Mark pro Monat stiegen und einige bis zu sechs Monate auf BAföG-Zahlungen warteten. Als Reaktion rief der Allgemeine Studierendenausschuss (AStA) zu einem zweitägigen Boykott der Mensa auf, um gegen ein erwartetes Defizit von fast 800.000 Mark im Jahr 1976 zu protestieren.
Eine positivere Nachricht kommt aus der Kunstszene: Im Januar wurde vor dem Bildungsministerium in der Mittleren Bleiche die Bronzeskulptur "Glöckchenbaum" aufgestellt. Das sieben Meter hohe, drei Tonnen schwere Werk des Künstlers Gernot Rumpf zeigt 14 Nachbildungen berühmter Glocken, von denen jede 68 kleinere Glocken enthält. Rumpf arbeitete neun Monate lang mit Unterstützung von Familie und Freunden an dem Projekt, das 160.000 Mark kostete – sein steuerpflichtiger Gewinn betrug dabei 12.000 Mark.
Der neu verabschiedete Haushalt 1976/77 der Stadt beläuft sich auf 916 Millionen D-Mark. Das Universitätsklinikum verfügt über ein Budget von 180 Millionen Mark, wobei knapp 50 Millionen aus Landeszuschüssen stammen.
In einem separaten, tragischen Fall wurde im April 1969 ein 47-jähriger jugoslawischer Tagelöhner in einem Tunnel der Mainzer Zitadelle zu Tode geprügelt. Sein Mörder konnte erst sechs Jahre später in Hamburg gefasst werden.
Mainz zwischen Wachstum und Entbehrungen Während die Altstadtsanierung voranschreitet, balanciert die Stadt zwischen Investitionen in Wohnraum, Bildung und Kunst einerseits und den Schwierigkeiten der Studierenden sowie den Nachwirkungen des strengen Winters andererseits. Mit festgelegtem Haushalt und laufenden Projekten wollen die Verantwortlichen sowohl akute Probleme lösen als auch die langfristige Entwicklung vorantreiben.






