Neues Online-Portal enthüllt 50 Jahre rechtsextreme Propaganda in Deutschland
Clara SchneiderNeues Online-Portal enthüllt 50 Jahre rechtsextreme Propaganda in Deutschland
Ein neues Online-Portal bietet ab sofort kostenlosen Zugang zu historischen Dokumenten über rechtsextreme Strömungen in Deutschland. Der Zeitraum von 1945 bis 2000 wird dabei durch Propagandatexte, gewaltverherrlichende Rhetorik und Materialien abgedeckt, die sich gezielt an junge Zielgruppen richteten. Über 30 Expertinnen und Experten haben die Quellen analysiert und aufbereitet, um zu zeigen, wie sich extremistische Strategien über Jahrzehnte weiterentwickelt haben.
Das unter radikale-rechte.de abrufbare Portal zeichnet die Veränderungen rechtsextremer Propaganda über 50 Jahre nach. In den 1950er- und 1960er-Jahren zielten untergrundnahe neonazistische Netzwerke auf enttäuschte Jugendliche und ehemalige Soldaten ab – mit nostalgischer NS-Verherrlichung. Ab den 1970er- und 1980er-Jahren verlagerte die NPD ihren Fokus und nutzte fremdenfeindliche Parolen, um Arbeiterklasse-Wähler zu erreichen.
In den 1990er-Jahren instrumentalisierten Extremisten die Skinhead-Subkultur und Musikszene, um radikale Ideen über Konzerte und Fanzines zu verbreiten. Das Projekt zeigt, wie sich diese Taktiken nach dem Jahr 2000 wandelten, als digitale Plattformen und soziale Medien eine breitere, oft verschlüsselte nationalistische Propaganda ermöglichten. Gruppen wie Pegida und die AfD übernahmen später populistische antiislamische Narrative, um ein mainstreamfähiges Publikum zu erreichen.
Herausgegeben von Prof. Dr. Frank Bösch, Direktor des Leibniz-Zentrums für Zeithistorische Forschung Potsdam (ZZF), und Prof. Dr. Gideon Botsch vom Moses Mendelssohn Zentrum für europäisch-jüdische Studien Potsdam (MMZ), unterstützt das Portal Forschung, Schulen und politische Bildung. Die kommentierten Dokumente offenbaren, wie sich extremistische Strategien an politische und kulturelle Veränderungen anpassten.
Das Portal dient als Ressource, um die historische Entwicklung rechtsextremer Propaganda nachzuvollziehen. Forscherinnen und Forscher, Lehrkräfte sowie die Öffentlichkeit können nun Primärquellen erkunden, die den Wandel der Taktiken veranschaulichen – von untergrundnahen Netzwerken bis hin zu digitalen Kampagnen. Ziel des Projekts ist es, durch die Dokumentation vergangener Methoden die Gegenarbeit gegen Extremismus zu stärken.






