Pistorius lehnt Rückkehr zur Wehrpflicht trotz Personalmangels strikt ab
Hannah WeberPistorius lehnt Rückkehr zur Wehrpflicht trotz Personalmangels strikt ab
Verteidigungsminister Boris Pistorius hat eine Wiedereinführung der allgemeinen Wehrpflicht trotz anhaltender Personalengpässe ausgeschlossen. Er bestätigte, dass das Freiwilligenprinzip auch in den kommenden Jahren die Grundlage der Truppenrekrutierung bleiben werde. Die Bundesregierung beobachte das Wachstum der Streitkräfte weiterhin genau.
Pistorius ging auf Bedenken hinsichtlich der Personalstärke ein, erklärte jedoch, eine Rückkehr zur Wehrpflicht sei nicht umsetzbar. Es fehle sowohl an Ausbildern als auch an der notwendigen Infrastruktur, um einen solchen Schritt praktikabel zu gestalten. Auch eine bedarfsgerechte selektive Einberufung stehe derzeit nicht zur Debatte.
Der Minister verwies auf die modernen Realitäten militärischer Stärke. Heute hänge die Überlegenheit nicht nur von fortschrittlicher Technologie ab, sondern auch vom Einsatz großer Mengen kostengünstiger Drohnen. Zudem betonte er die Notwendigkeit, die Zusammenarbeit zwischen verschiedenen Sektoren zu stärken.
Um die Widerstandsfähigkeit zu erhöhen, wurde ein Runden Tisch eingerichtet, der den branchenübergreifenden Austausch von Ideen fördern soll. Ziel ist es, Lieferketten abzusichern und Engpässe zu vermeiden. Pistorius regte außerdem an, das Know-how der Automobilindustrie stärker für die Rüstungsbranche zu nutzen.
Kostenexplosionen bei Rüstungsprojekten bleiben ein Problem. So sind die Gesamtkosten für das Fregattenprogramm F126 der Marine auf über 18 Milliarden Euro gestiegen – ein Plus von 8 Milliarden. Die Koalition hat vereinbart, dass bei einem künftigen Überhang an offenen Stellen im Vergleich zu qualifizierten Bewerbern korrigierende Maßnahmen ergriffen werden.
Die Bundeswehr wird unter den aktuellen Rekrutierungsrichtlinien weiter ausgebaut. Die Regierung werde erst eingreifen, wenn die Personalknappheit unkontrollierbar werde. Vorerst bleiben Zusammenarbeit und technologische Investitionen Priorität.
