RAW-Gelände in Berlin: Kultur gegen Wohnungsbau – die Entscheidung fällt bald
Emma MayerRAW-Gelände in Berlin: Kultur gegen Wohnungsbau – die Entscheidung fällt bald
Die Zukunft des Berliner RAW-Geländes steht auf dem Spiel, während sich der Konflikt zwischen der Kurth-Gruppe, dem Senat und dem Bezirk zuspitzt. Das einstige Bahnausbesserungswerk beherbergt heute Clubs, Kulturstätten und Märkte – doch Pläne für Wohnungsneubauten haben die Auseinandersetzungen entfacht.
Aus seiner industriellen Vergangenheit hat sich das RAW-Gelände zu einem lebendigen Zentrum entwickelt. Heute umfasst es Konzertlocations, einen Biergarten, eine Skatehalle, eine Boulderhalle, Lagerhallen sowie saisonale Märkte wie einen Weihnachtsmarkt und Flohmarkt.
Die Kurth-Gruppe beantragte im Januar eine beschleunigte Baugenehmigung, um mit dem Wohnungsbau zu beginnen. Senat und Bezirk lehnten den Antrag ab. Im Kern des Streits steht die Frage, wie viele neue Wohnungen entstehen sollen – und wie viele historische Hallen erhalten bleiben müssen.
Einige Mieter, darunter der Club Cassiopeia, haben bereits Räumungsklagen erhalten. Andere könnten bald dasselbe Schicksal drohen. Der Cassiopeia könnte bereits nächste Woche zwangsgeräumt werden. Als Reaktion demonstrierten Dutzende Menschen auf dem Kurfürstendamm unter dem Motto „RAW für alle – Cassiopeia & Co. müssen bleiben“.
Benjamin Kiepurning, Mitarbeiter des Cassiopeia, startete eine Petition, in der die Kurth-Gruppe aufgefordert wird, an den Verhandlungstisch zurückzukehren. Senat und Bezirk werfen dem Unternehmen vor, die Clubs und die vielfältige soziokulturelle Szene des Geländes zu gefährden.
Der Konflikt bleibt ungelöst: Während die Kurth-Gruppe auf Bebauung drängt, kämpfen die Mieter um ihren Verbleib. Die Entscheidung wird zeigen, ob das RAW-Gelände seine kulturelle Identität bewahrt – oder sich grundlegend verändert. Sollte es keine Einigung geben, könnten die Räumungen bereits in wenigen Tagen beginnen.
