Rekordzahl an Kirchenaustritten erschüttert katholische und evangelische Kirche
Hannah WeberKirchen verlieren weiterhin Mitglieder in Sachsen - Rekordzahl an Kirchenaustritten erschüttert katholische und evangelische Kirche
Kirchenaustritte in Deutschland erreichen Rekordwerte
In den vergangenen fünf Jahren ist die Zahl der Kirchenmitglieder in Deutschland drastisch gesunken. Zwischen 2020 und 2025 verließen rund 660.000 Menschen die katholische und die evangelische Kirche gemeinsam. Besonders stark beschleunigte sich der Rückgang in den Jahren 2022 und 2023 – angetrieben durch Missbrauchsskandale und institutionelle Krisen.
Allein im Jahr 2023 traten mehr als 650.000 Deutsche formal aus den beiden großen Konfessionen aus. Die evangelische Kirche verlor etwa 350.000 Mitglieder, während die katholische Kirche rund 307.000 Austritte verzeichnete. Bundesweit zählt die katholische Kirche noch 19,2 Millionen Gläubige, die evangelischen Landeskirchen kommen auf 17,4 Millionen Anhänger.
Besonders ausgeprägt ist der Trend in Sachsen. Die evangelische Kirche dort verlor 2023 rund 17.700 Mitglieder, sodass ihre Gesamtzahl auf knapp 558.000 sank. Über 10.000 dieser Austritte erfolgten durch aktive Kündigungen. Gleichzeitig schrumpfte das Bistum Dresden-Meißen der katholischen Kirche um etwa 3.500 Gläubige auf nunmehr 124.700 Mitglieder.
Trotz des Rückgangs betonte Tobias Bilz, Bischof der Evangelisch-Lutherischen Landeskirche Sachsens, das weiterhin starke soziale Engagement der Kirche. "Wir sind eine Kirche für andere – und das bleiben wir, auch wenn wir kleiner werden", erklärte er. Bilz verwies darauf, dass diakonische Einrichtungen in Sachsen weiterhin allen Menschen offenstünden, unabhängig von ihrem Glauben. Bemerkenswerterweise verzeichnete die katholische Kirche in der Region sogar einen leichten Anstieg der Gottesdienstbesucher: Mittlerweile nehmen 12,5 Prozent der Mitglieder regelmäßig an Messen teil.
Der anhaltende Mitgliederschwund spiegelt die wachsenden Herausforderungen wider, vor denen die großen Kirchen in Deutschland stehen. Beide Konfessionen sehen sich zwar mit schrumpfenden Gemeinden konfrontiert, halten aber an ihrem gesellschaftlichen Auftrag fest. Lokale Verantwortliche versichern, dass ihre Institutionen die Gesellschaft auch mit weniger Gläubigen weiterhin unterstützen werden.