Saisonarbeiter in Deutschland: Ausbeutung trotz Lohnerhöhungen und Reformen
Clara SchneiderSaisonarbeiter in Deutschland: Ausbeutung trotz Lohnerhöhungen und Reformen
Saisonarbeiter in Deutschland sehen sich verschärften Bedingungen ausgesetzt – Ausbeutung und lasche Kontrollen halten an
Eine neue Studie deckt illegale Lohnabzüge, extreme Arbeitszeiten und unsichere Unterkünfte auf – während Regierungsreformen bei Kurzzeitverträgen die Beschäftigten noch verwundbarer machen.
Trotz jüngster Lohnerhöhungen für einige landwirtschaftliche Angestellte bleiben ungelernte Saisonkräfte weiterhin schutzlos. Gleichzeitig sind die Kontrollen in den letzten Jahren drastisch zurückgegangen.
Im vergangenen Jahr waren rund 243.000 Saisonarbeiter in der deutschen Landwirtschaft beschäftigt, doch ihre genaue Zahl und Herkunft bleiben unklar. Viele leisten bis zu 70-Stunden-Wochen und leben in beengtem, überteuertem Wohnraum – in einem Fall wurde ein 15-Quadratmeter-Seecontainer für über 2.000 Euro monatlich vermietet.
Illegale Lohnabzüge beliefen sich in einigen Fällen auf fast 1.000 Euro. Der gesetzliche Mindestlohn bietet kaum Schutz, wenn die Durchsetzung so gut wie nicht existiert. Betriebsprüfungen in der Landwirtschaft sind von knapp 1.200 im Jahr 2020 auf nur noch 274 in diesem Jahr eingebrochen.
Die Bundesregierung hat kürzlich die sozialabgabenfreie Kurzzeitbeschäftigung von 70 auf 90 Tage pro Jahr ausgeweitet. Diese Änderung entzieht den Arbeitnehmern Schutzrechte und erhöht das Unfallrisiko. Gleichzeitig sieht ein neuer Tarifvertrag für landwirtschaftliche Mitarbeiter eine Lohnerhöhung von 10 Prozent über 33 Monate vor – doch ungelernte Saisonkräfte profitieren davon erst nach vier Monaten nicht.
Der Deutsche Bauernverband fordert einen 20-prozentigen Abschlag auf den Mindestlohn für ausländische Saisonarbeiter. Dieser Vorschlag findet Unterstützung bei der rechtspopulistischen AfD und der unionsgeführten CDU. Experten betonen, dass zwar nicht alle Betriebe gegen Gesetze verstoßen, Verstöße aber weit verbreitet und systemisch sind.
Als Reaktion startet die Initiative Faire Agrararbeit gemeinsam mit internationalen Partnern mehrsprachige Social-Media-Kampagnen, um angeworbene Arbeitskräfte bereits in ihren Herkunftsländern über ihre Rechte aufzuklären. Auch die reformierte EU-Agrarpolitik (GAP) könnte helfen: Landwirte, die gegen Arbeitsrechte verstoßen, müssen künftig mit Kürzungen bei EU-Subventionen rechnen.
Die Kombination aus schwacher Aufsicht, ausgeweiteten Kurzzeitverträgen und dem Branchen Druck auf Lohnabschläge lässt Saisonarbeiter in der Landwirtschaft in einer prekären Lage zurück. Ohne strengere Kontrollen und besseren Schutz droht die Ausbeutung in Deutschlands Agrarsektor noch weiter um sich zu greifen.






