17 March 2026, 00:39

Sidekick Leipzig: Wie feministische Selbstverteidigung marginalisierten Gruppen Kraft gibt

Eine Gruppe von Menschen, die Karate in einem Turnsaal üben, wobei einige stehen und andere auf Stühlen sitzen, vor einer Wand mit Türen, einem Geländer und einer Banner mit Text, dargestellt in Schwarz-Weiß.

Sidekick Leipzig: Wie feministische Selbstverteidigung marginalisierten Gruppen Kraft gibt

Sidekick Leipzig: Ein feministischer Muay-Thai- und Selbstbehauptungsverein schafft sicheren Raum für marginalisierte Gruppen

Der Verein Sidekick Leipzig, ein feministisches Muay-Thai- und Selbstverteidigungsprojekt, hat in der Stadt einen unterstützenden Ort für marginalisierte Menschen geschaffen. Die Initiative, die 2022 mit dem Luise-Otto-Peters-Preis ausgezeichnet wurde, setzt auf Ermächtigung durch Kampfsport und Trainings zur Selbstbehauptung. Eine der zentralen Mitarbeiterinnen, Fritte Zeuner, unterrichtet Kurse zum Setzen von Grenzen und zur Durchsetzung der eigenen Bedürfnisse – Fähigkeiten, mit denen sie selbst einst kämpfte.

Zeuners Weg zu Sidekick Leipzig begann mit einem Gefühl der Ohnmacht. Nach körperlichen Auseinandersetzungen am Arbeitsplatz schloss sie sich einer selbstorganisierten Kickboxing-Gruppe an. Als Sidekick eröffnet wurde, fand Zeuner dort einen strukturierten Rahmen, um neues Selbstvertrauen aufzubauen – und wurde später selbst zur Trainerin.

Der Verein bietet einen sicheren Raum für Frauen, Lesben, intergeschlechtliche, nicht-binäre, trans und agender Personen (FLINTA). Mit rund 600 Mitgliedern – darunter 450 Erwachsene sowie 150 Kinder und Jugendliche – setzt er auf Maßnahmen wie ein Prioritätensystem undBIPoC-only-Kurse*, um Inklusion zu gewährleisten. Die Finanzierung erfolgt hauptsächlich über Mitgliedsbeiträge, wobei auch Fördergelder eine Rolle spielen – diese sind jedoch aufgrund politischer Veränderungen schwieriger zu erhalten.

In Zeuners Kursen lernen Teilnehmende, eigene Grenzen zu erkennen und zu verteidigen, wobei betont wird, dass Selbstbehauptung für jede Person anders aussehen kann. Zeuner räumt ein, dass manche Menschen höhere Risiken eingehen, wenn sie sich Gehör verschaffen – doch die Philosophie des Vereins bleibt klar: Ein "Nein" in welcher Form auch immer ist legitim, und Gewalt liegt immer in der Verantwortung der Täter:innen.

Zeuners eigene Geschichte spiegelt die Herausforderungen wider, mit denen viele zu kämpfen haben. Als ehemalige Leistungsschwimmerin gab sie den Sport wegen des Wettkampfstresses auf. Heute hilft ihre Arbeit bei Sidekick anderen, sich selbst zu akzeptieren und zu begreifen, dass sie mit ihren Kämpfen nicht allein sind.

Sidekick Leipzig wächst weiter als wichtige Anlaufstelle für Ermächtigung und Gemeinschaft. Die Kombination aus Kampfsport, Grenzsetzungstrainings und inklusiven Strukturen vermittelt Werkzeuge für Selbstverteidigung und Selbstbewusstsein. Die Auszeichnung mit dem Luise-Otto-Peters-Preis unterstreicht den anhaltenden Einfluss des Vereins auf die Gleichberechtigung in Leipzig.

AKTUALISIERUNG

Sidekick Leipzig beschränkt neue Mitgliedschaften auf priorisierte Gruppen und erweitert Trainingsangebote

Der Verein hat die allgemeine Mitgliedschaft vorerst ausgesetzt und nimmt nur noch neue FLINTA* Mitglieder auf, die bestimmte Prioritäten erfüllen. Aktuelle Trainingspläne umfassen trauma-informierte Kurse und spezialisierte Sitzungen:

  • BIPoC-only Muay Thai (18:30 Uhr Do, 2–15€)
  • Trauma-informierte Klassen und Resilienz & Widerstand Workshops (2. So im Monat)
  • App-basierte Buchungen jetzt verfügbar für alle Muckibude-Sitzungen, mit Willkommensbesuchern.