Streit um Deutschlands neue Kulturgüter: Von Bolzplatz bis Maßschneiderei
Lina KrügerStreit um Deutschlands neue Kulturgüter: Von Bolzplatz bis Maßschneiderei
Deutschland hat neue Bräuche in seine Liste der offiziell anerkannten immateriellen Kulturgüter aufgenommen. Staatsminister für Kultur Wolfram Weimer und die Deutsche UNESCO-Kommission präsentierten diese Woche die neuesten Auswahlentscheidungen. Die getroffenen Wahlen lösten eine Debatte darüber aus, welche Traditionen staatliche Förderung und Anerkennung verdienen.
Zu den neu gewürdigten Bräuchen zählen die Fischerei in der Ostsee, das Straßenfußballspiel auf dem Bolzplatz sowie die St.-Martins-Umzüge im Rheinland. Auch die Schaustellerkultur auf Volksfesten und das handwerkliche Schneiderhandwerk für Herrenmode fanden Aufnahme in die Liste. Manche Beobachter zeigen sich überrascht über die Berücksichtigung der Maßschneiderei, da sie sich von den weiter verbreiteten Alltagsbräuchen abhebt.
Weimers Entscheidungen folgen strengen Kriterien für die staatlich geförderte kulturelle Anerkennung. Erst kürzlich strich er ein Übersetzungsprojekt palästinensischer Autor:innen aus dem Berliner Hauptstadtkulturfonds. Seine jüngste Weigerung, die SPD-Sommerfest-Bratwurst in die Förderung aufzunehmen, sorgte für Kritik. Nicht aufgenommen wurden zudem der Döner sowie unabhängige, linksgerichtete Buchhandlungen – beides hatte seine Fürsprecher:innen.
Die Bekanntgaben lösten Proteste von Kulturminister:innen und Senator:innen in acht SPD-geführten Bundesländern aus. Kritiker:innen werfen Weimer vor, alltagskulturelle Praktiken zu übergehen und stattdessen enge Maßstäbe für die Anerkennung durchzusetzen.
Die aktualisierte Liste umfasst nun 137 Traditionen und spiegelt die kulturelle Vielfalt Deutschlands wider. Weimers Vorgehen prägt weiterhin, welche Bräuche offizielle Unterstützung erhalten. Die Diskussion um die Auswahl zeigt die Spannungen zwischen Tradition, Politik und öffentlicher Förderung auf.






