Verbotenes Meisterwerk: Wie Nurejew-Ballett in Russland zum Politikum wurde
Lina KrügerVerbotenes Meisterwerk: Wie Nurejew-Ballett in Russland zum Politikum wurde
Das Ballett Nurejew hat seit seiner Entstehung eine bewegte Geschichte durchlebt. Ursprünglich 1995 vom Berliner Staatsballett uraufgeführt, feierte es 2017 unter umstrittenen Umständen seine Premiere in Moskau. Die Produktion, die das Leben des legendären Tänzers Rudolf Nurejew würdigt, ist in Russland mittlerweile wegen ihrer LGBTQ+-Thematik verboten.
Das Ballett Nurejew wurde ursprünglich von Juri Possochow choreografiert, einem in der Ukraine geborenen Künstler, der trotz politischer Spannungen weiterhin mit dem Bolschoi-Theater zusammenarbeitet. Die Berliner Uraufführung von 1995 brachte erstmals Nurejews dramatisches Leben auf die Bühne – von seiner Ausbildung an der Waganowa-Ballettakademie über seine Flucht nach Frankreich bis hin zu seinem weltweiten Ruhm. Die Inszenierung ist reich an symbolträchtigen Requsiten: männliche Akte alter Meister, Thonet-Stühle, Sofas von Maria Callas und sogar Nachbildungen von Nurejews italienischer Insel.
2017 inszenierten der Regisseur Kirill Serebrennikow und Choreograf Possochow Nurejew am Moskauer Bolschoi-Theater neu. Doch noch vor der Premiere wurde Serebrennikow wegen Verdachts auf Untreue verhaftet und konnte der Aufführung nicht beiwohnen. Die Vorstellung fand dennoch im Dezember desselben Jahres statt, doch die russischen Behörden verboten die Produktion 2023 im Rahmen von Gesetzen, die die "Propaganda nicht-traditioneller sexueller Beziehungen" untersagen. Eine konkrete Begründung wurde damals nicht genannt, doch Jahre später wurde das Verbot offiziell vollzogen.
Das Ballett selbst ist ein opulentes Spektakel, auch wenn Kritiker anmerken, dass der zweite Akt nicht an die Energie des ersten anknüpft. Es endet mit einer gespenstischen Szene: Nurejew dirigiert seinen eigenen Tod – eine Anspielung auf die real stattfindende Versteigerung seines Nachlasses 1995, kurz nach seinem Tod.
Das Verbot von 2023 markiert das vorläufige letzte Kapitel in der komplizierten Geschichte von Nurejew. Das Ballett bleibt eine lebendige Hommage an einen der größten Tänzer aller Zeiten und verbindet künstlerischen Glanz mit den politischen und persönlichen Kämpfen seines Protagonisten. Sein Ausschluss von russischen Bühnen spiegelt die aktuellen kulturellen Restriktionen des Landes wider.






