16 March 2026, 10:05

Weniger Pendler in Sachsen-Anhalt: Warum die Zahlen seit 2024 sinken

Ein altes Kartenbild von Preußen und Sachsen, das ihre Grenzen zeigt, gedruckt auf Papier.

Anzahl der Pendler in Sachsen-Anhalt leicht gesunken - Weniger Pendler in Sachsen-Anhalt: Warum die Zahlen seit 2024 sinken

Die Zahl der Pendler, die zur Arbeit über die Landesgrenzen Sachsen-Anhalts hinweg ein- und ausreisen, ist leicht zurückgegangen. Im Juni 2025 verließen etwa 148.000 Einwohner das Bundesland für ihren Arbeitsweg – rund 600 weniger als im Vorjahr. Auch die Zahl der Einpendler sank: Etwa 75.700 Beschäftigte aus anderen Bundesländern arbeiteten in Sachsen-Anhalt.

Ein Hauptgrund für den Rückgang ist die schrumpfende Bevölkerung. Seit 2011 hat Sachsen-Anhalt zwischen 5 und 7 Prozent seiner Einwohner verloren, vor allem wegen der Abwanderung junger Menschen und einer alternden Belegschaft. Dadurch gibt es insgesamt weniger Erwerbstätige, besonders in Branchen wie der Industrie, dem Einzelhandel und dem Baugewerbe, wo der Fachkräftemangel zunimmt.

Auch wirtschaftliche Veränderungen haben das Pendeln verringert. Durch Automatisierung in Fabriken und den Aufstieg des Online-Handels gingen zwischen 2019 und 2024 rund 15 Prozent der Industriearbeitsplätze verloren. Gleichzeitig locken höhere Löhne in westdeutschen Bundesländern wie Bayern und Hessen Arbeitskräfte ab. Die Pandemie bremste zudem die Bauwirtschaft – die Zahl der Projekte sank zwischen 2020 und 2022 um 20 Prozent.

Gleichzeitig haben sich die lokalen Arbeitsmarktchancen verbessert. EU-Fördergelder und regionale Entwicklungsprogramme schufen mehr Stellen innerhalb des Landes. Der Umstieg auf Homeoffice nach 2020 verringerte zudem den Bedarf an langen Arbeitswegen: Laut einer Studie der Bundesagentur für Arbeit aus dem Jahr 2023 pendeln etwa 25 Prozent weniger Menschen über größere Distanzen.

Die meisten Auspendler sind Fachkräfte, die vor allem nach Sachsen, Niedersachsen und Thüringen fahren. Die wichtigsten Branchen sind die Industrie, der Einzelhandel, die Kfz-Reparatur, Logistik und das Baugewerbe. Die Einpendler kommen hauptsächlich aus Sachsen, gefolgt von Niedersachsen, Thüringen und Brandenburg; etwa 5.400 reisen aus dem Ausland an. Markus Behrens, Regionaldirektor der Bundesagentur für Arbeit, führte den Rückgang auf eine schwächere Beschäftigungsentwicklung in der Region zurück.

Noch immer pendelt etwa jeder fünfte Erwerbstätige in Sachsen-Anhalt über die Landesgrenzen hinweg. Der Rückgang der Zahlen spiegelt sowohl demografische Veränderungen als auch Verschiebungen auf dem Arbeitsmarkt wider. Angesichts weniger verfügbarer Arbeitskräfte und besserer lokaler Möglichkeiten wird das weite Pendeln seltener.

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