26 March 2026, 20:05

Wie eine Enthüllung über Clownswelt den YouTuber zum Boom verhalf

Ein Plakat mit fetter schwarzer Schrift auf einem weißen Hintergrund, das 'Es ist an der Zeit, Social-Media-Plattformen zur Rechenschaft zu ziehen' lautet, eingerahmt von einem schmalen schwarzen Rand.

Wie eine Enthüllung über Clownswelt den YouTuber zum Boom verhalf

Eine aktuelle Untersuchung des ZDF Magazin Royale und Zeit Online über einen rechtspopulistischen YouTuber hat eine heftige Gegenreaktion ausgelöst. Statt dem Kanal Clownswelt zu schaden, führte die Enthüllung zu einem massiven Anstieg der Abonnentenzahlen – von etwa 220.000 auf fast 500.000 innerhalb einer einzigen Woche. Kritiker werfen dem Team hinter dem Bericht nun vor, umstrittene Methoden angewandt und seine Behauptungen nicht ausreichend belegt zu haben.

Der Streit begann im Mai 2025, als Jan Böhmermanns ZDF Magazin Royale einen Beitrag über den anonymen Betreiber von Clownswelt sendete. Die Sendung sowie Zeit Online recherchierten die Identität des Erstellers und warfen dem Kanal vor, rechtsextreme Positionen zu verbreiten. Später hinterfragte jedoch die Frankfurter Allgemeine Zeitung (FAZ) die fehlenden konkreten Beweise für eine Verbindung von Clownswelt zu faschistischem Gedankengut.

Die Gegenreaktion ließ nicht lange auf sich warten. Nutzer in sozialen Medien warfen Böhmermann und Zeit Online vor, den YouTuber gezielt an den Pranger gestellt zu haben ("Doxxing"), einige forderten sogar die Veröffentlichung ihrer Privatadressen. Konservative Medien und Kommentatoren verglichen die Vorgehensweise mit Methoden der Stasi, während ähnliche Praktiken von linksradikalen Gruppen seit Jahren angewandt werden.

Statt den YouTuber zu schwächen, löste der Beitrag den sogenannten Streisand-Effekt aus: Die Abonnentenzahlen von Clownswelt schossen in die Höhe – von 218.000 auf über 384.000 kurz nach der Ausstrahlung und schließlich auf fast eine halbe Million. Zum Vergleich: Der Journalist Boris Reitschuster zählte im Mai 2025 etwa 379.000 Abonnenten, während die rechtspopulistische Plattform PI-News monatlich Millionen Website-Besuche verzeichnet.

Auch juristische Bedenken kamen auf. Der Medienanwalt Christian Solmecke äußerte, Böhmermann und Zeit Online könnten gegen §126a des Strafgesetzbuchs verstoßen haben, der die Volksverhetzung unter Strafe stellt. Unterdessen verteidigte der Zeit-Online-Journalist Fuchs die Recherche und betonte, dass nur ein Prozent der gesammelten Daten veröffentlicht worden sei, um die Privatsphäre des YouTubers zu schützen.

Die Folgen des Falls reichen weiter. Öffentlich-rechtliche Sender stehen in der Kritik, durch ihre Berichterstattung politische Debatten zu polarisieren und Gräben zu vertiefen. Die AfD und ihre Anhänger nutzen den Vorfall, um ihre Narrative gegen die "Mainstream-Medien" zu stärken.

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Die Untersuchung gegen Clownswelt ist nach hinten losgegangen: Der Kanal hat nicht nur an Reichweite gewonnen, sondern auch seine Einnahmen durch Werbung werden voraussichtlich steigen. Gleichzeitig bleiben die aufgeworfenen rechtlichen und ethischen Fragen ungeklärt – und die Medien stehen unter Druck, ihre Methoden und deren Auswirkungen zu überprüfen.

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