12 June 2026, 18:03

WM-Fieber in Deutschland: Warum der Fußball Patriotismus entfacht wie kaum sonst

Lieber 'Party-Patriotismus' als kein Patriotismus

WM-Fieber in Deutschland: Warum der Fußball Patriotismus entfacht wie kaum sonst

Die Fußball-Weltmeisterschaft entfacht in Deutschland eine seltene Welle nationaler Begeisterung. Während des Turniers schmücken sich Straßen mit Flaggen, und Händler füllen ihre Regale mit Fanartikeln. Doch dieser plötzliche Patriotismus steht oft im Kontrast zur sonstigen Zurückhaltung des Landes, wenn es um nationale Gefühle geht.

Für viele Deutsche sind große Fußballturniere eine der wenigen Gelegenheiten, bei denen sie ihre Nationalität offen feiern. Supermärkte wie Lidl und Aldi bestücken ihre Regale rasant mit Deutschlandflaggen, Schals und anderem Fan-Zubehör. Selbst private Zeichen des Patriotismus – etwa Autos, die in Nationalfarben geschmückt werden – sind dann allgegenwärtig.

Diese Euphorie steht im krassen Gegensatz zum Alltag. Die politische Klasse vermeidet bewusst starke nationale Rhetorik: Persönlichkeiten wie die ehemalige Bundeskanzlerin Angela Merkel mieden bewusst Begriffe wie „Vaterland“ oder „deutsches Volk“. Eine aktuelle Arte-Dokumentation ging noch weiter und zog eine Verbindung zwischen der patriotischen Stimmung während der WM 2006 und dem späteren Aufstieg von Bewegungen wie Pegida oder der AfD-Partei.

Trotzdem bleibt das Turnier ein Moment, in dem die allgemeine Begeisterung vorübergehend die üblichen Vorbehalte gegenüber offenem Nationalismus überlagert. Für manche ist es sogar die einzige Gelegenheit, sich überhaupt mit Fußball zu beschäftigen – sie schalten nur dann ein, wenn die Nationalmannschaft spielt.

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Die Weltmeisterschaft bewirkt so eine temporäre Verschiebung im deutschen Verhältnis zu nationalem Stolz. Händler, Familien und Fans übernehmen Symbole und Feiern, die sonst eher verhalten bleiben. Das Phänomen zeigt die wiederkehrende Spannung zwischen volkstümlicher Begeisterung und politischer Vorsicht.

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