Ausbau der Deutschen Nationalbibliothek Leipzig abrupt gestoppt – Kulturgut in der Krise
Clara SchneiderKein Erweiterungsbau für die Deutsche Nationalbibliothek - Ausbau der Deutschen Nationalbibliothek Leipzig abrupt gestoppt – Kulturgut in der Krise
Pläne für großen Ausbau der Deutschen Nationalbibliothek in Leipzig gestoppt
Die geplante umfangreiche Erweiterung der Deutschen Nationalbibliothek in Leipzig wurde überraschend verworfen. Kulturminister Wolfram Weimer setzte das Vorhaben aus, wodurch die Einrichtung nun mit massiven Lagerengpässen konfrontiert ist. Die Entscheidung fällt trotz jahrelanger Vorbereitungen und bereits investierter Millionenbeträge.
Die geplante fünfte Erweiterung sollte energieeffiziente und nachhaltige Räumlichkeiten für das deutsche Kulturgut schaffen. Sie war darauf ausgelegt, den langfristigen Bedarf an Lagerfläche für Bücher, Medien und Archivmaterial zu decken. Ohne den Ausbau steht die Bibliothek nun vor drängenden Kapazitätsproblemen.
Bereits jetzt wurden Teile des Bestands nach Frankfurt ausgelagert, um die überlastete Leipziger Niederlassung zu entlasten. Fachleute hatten wiederholt gewarnt, dass die Lagerkapazitäten nahezu erschöpft seien und der Ausbau unverzichtbar wäre. Die Bibliothek kritisierte die Absage scharf und betonte, dass zusätzlicher Platz weiterhin dringend benötigt werde.
Weimers Entscheidung folgt auf Bestrebungen, das Pflichtexemplar-System zu modernisieren. Bisher müssen Verlage von jeder Veröffentlichung zwei physische Exemplare abliefern. Der Minister strebt eine Reduzierung auf ein Exemplar an – vorzugsweise in digitaler Form. Sein Ziel ist ein schrittweiser Übergang zu einem vorrangig digitalen Archivsystem.
Rund sieben Millionen Euro waren bereits in die Planung des Leipziger Ausbaus geflossen. Auch alternative Lösungen für die Bewältigung der Überlastung würden hohe Kosten verursachen, sodass die langfristige Lagerstrategie der Bibliothek ungewiss bleibt.
Die Streichung des Projekts zwingt die Leipziger Bibliothek, sich auf Provisorien wie die Verlagerung von Beständen zu verlassen. Weimer konzentriert sich nun auf eine Reform des Pflichtexemplar-Gesetzes und setzt auf digitale statt physische Abgaben. Die Entscheidung wird maßgeblich prägen, wie Deutschland sein kulturelles Erbe in den kommenden Jahren bewahrt.