13 March 2026, 00:04

Burg Hohnstein: Wie ein NS-Konzentrationslager heute zum Ort der Erinnerung wird

Ein altes Bild eines großen Gebäudes mit vielen Fenstern, umgeben von Menschen, Holzscheiten und anderen Gegenständen, mit der Beschriftung "1853 – das Gefängnis des Dresdner Konzentrationslagers" unten.

Burg Hohnstein: Wie ein NS-Konzentrationslager heute zum Ort der Erinnerung wird

Burg Hohnstein in Sachsen birgt ein dunkles Kapitel deutscher Geschichte: Hier befand sich eines der ersten nationalsozialistischen Konzentrationslager. Am 8. März 1933 wurde Konrad Hahnewald, der Leiter der dortigen Jugendherberge, zum ersten Häftling des Lagers – weil er sich weigerte, die Hakenkreuzflagge zu hissen. 91 Jahre später wird das Gedenken an diese Zeit mit einer neuen öffentlichen Veranstaltung und längst überfälligen Sanierungsarbeiten wachgehalten.

Hahnewald hatte die Jugendherberge auf Burg Hohnstein seit 1925 geleitet. Unter seiner Führung entwickelte sich die Einrichtung zu einer der größten und renommiertesten Deutschlands, die Gäste aus aller Welt anzog. Doch seine Vergangenheit als Gewerkschaftssekretär machte ihn nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten zum Ziel.

An jenem Märztag 1933 zwangen SA-Sturmtrupps ihn, die Hakenkreuzfahne zu hissen. Seine Verweigerung führte zu seiner Verhaftung – und markierte den Beginn der grausamen Geschichte des Lagers. Bis August 1934 waren dort rund 5.600 Menschen inhaftiert, mindestens 140 von ihnen kamen ums Leben.

Jahre lang blieb die Zukunft der Burg ungewiss. Nach der Insolvenz des Betreibers 2007 drohte eine Privatisierung den öffentlichen Zugang zu gefährden. Die dringend notwendigen Sanierungskosten wurden auf 45 Millionen Euro geschätzt – die Erhaltung des Ortes schien fraglich. Doch im September 2023 sagte die Bundesregierung 13,5 Millionen Euro für die Renovierung zu, Sachsen kündigte eine gleich hohe Summe bis Mitte 2025 an.

Lokale Initiativen setzen sich seit Langem für die Bewahrung des Gedenkens ein. Das Alternative Kultur- und Bildungszentrum (Akubiz) in Pirna organisiert Bildungswanderungen und Ausstellungen. Im März 2022 gründete sich die Arbeitsgemeinschaft Konzentrationslager Hohnstein (LAG), um die öffentliche Auseinandersetzung zu vertiefen. Ihre erste große Veranstaltung, der Hohnsteiner Dialog, findet an diesem Samstag statt.

Das Programm umfasst eine Gedenkfeier, Kranzniederlegungen und Reden von Nachfahren ehemaliger Häftlinge. Gabriele Hahn, die Enkelin Konrad Hahnewalds, wird in einer kurzen Ansprache den Widerstand ihres Großvaters würdigen. Zudem wird eine temporäre Ausstellung eröffnet, die Porträts von zwölf Inhaftierten zeigt.

Der Hohnsteiner Dialog verbindet Geschichte, Erinnerung und Erneuerung. Mit den nun gesicherten Mitteln kann die Sanierung der Burg voranschreiten, sodass der Ort als Lern- und Gedenkstätte erhalten bleibt. Die Veranstaltung und die laufenden Projekte sollen das Leiden der Opfer ehren und ein zentrales Stück Geschichte des 20. Jahrhunderts für die Nachwelt bewahren.

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