Dramatischer Anstieg: Digitale sexualisierte Gewalt trifft fast jeden zweiten Jugendlichen
Hannah WeberDramatischer Anstieg: Digitale sexualisierte Gewalt trifft fast jeden zweiten Jugendlichen
Digitale sexualisierte Gewalt gegen Jugendliche nimmt dramatisch zu
In den vergangenen Jahren hat digitale sexualisierte Gewalt gegen junge Menschen stark zugenommen. Allein 2023 registrierten deutsche Behörden 45.191 Fälle mit sexualisierten Abbildungen von Kindern – fast dreimal so viele wie in den Vorjahren. Ein neues Pilotprojekt in Thüringen geht das Problem nun an, indem es Schülerinnen und Schüler direkt in den Schulen aufklärt.
Drei Jahre lang leitete die Präventionsexpertin Yasmina Ramdani Workshops in ganz Thüringen und erreichte rund 5.000 Jugendliche der fünften bis achten Klassen. Finanziert vom Landesjugendamt war das Programm das erste seiner Art in Deutschland. Ramdani setzte auf interaktive Methoden wie Bingokarten, um über Apps, persönliche Erfahrungen und zentrale Begriffe digitaler Gewalt zu sprechen.
Aktuelle Studien unterstreichen das Ausmaß des Problems: Fast die Hälfte aller jungen Menschen gibt an, bereits sexualisierte Gewalt im Netz erlebt zu haben – das zeigt die Jugendsexualitätsstudie 2025. Mädchen und junge Frauen sind dabei doppelt so häufig betroffen wie Jungen. Häufige Formen sind Cybergrooming, bei dem Täter über Chats Vertrauen aufbauen, um Minderjährige später auszubeuten, aber auch sexuelle Beleidigungen oder die nicht einvernehmliche Verbreitung expliziter Bilder.
Fachleute warnen, dass viele Übergriffe im eigenen Umfeld passieren – oft aus Naivität oder Gruppendruck. Lehrerinnen und Lehrer erkennen zwar die Dringlichkeit, fühlen sich aber häufig überfordert. Gleichzeitig werden Eltern aufgefordert, ihr eigenes digitales Verhalten zu reflektieren und klare Regeln mit ihren Kindern zu vereinbaren.
Besondere Aufmerksamkeit erhielt das Thema, nachdem die Schauspielerin Collien Fernandes ihren Ex-Mann, Christian Ulmen, öffentlich der digitalen Gewalt beschuldigte. Zu den Vorwürfen gehörten gefälschte Profile und pornografische Deepfakes. Solche Fälle zeigen, wie nachhaltig die Schäden durch digitale Gewalt sein können – und wie wichtig Prävention ist.
Das Thüringer Projekt beweist, dass frühzeitige Aufklärung helfen kann, digitale sexualisierte Gewalt einzudämmen. Angesichts stark steigender Fallzahlen betonen Expertinnen und Experten: Investitionen in Prävention sparen langfristig Kosten. Schulen, Eltern und Politik müssen gemeinsam handeln – denn fast die Hälfte der jungen Menschen ist online betroffen.






