19 March 2026, 12:05

Medienstreit eskaliert: Warum ein Podcast-Werbeformat Journalisten spaltet

Plakatwerbung für 'Die Stimme der liberalen Muslime' - Radio-Show mit Bildern von Menschen mit Kopfhörern und Mikrofonen im Gespräch.

Medienstreit eskaliert: Warum ein Podcast-Werbeformat Journalisten spaltet

In deutschen Medien ist eine hitzige Debatte entbrannt, nachdem der Journalist Gabor Steingart werbliche Host-Reads in Podcasts – also persönliche Produktempfehlungen der Moderator:innen – als "Prostitution" kritisiert hatte. Seine Äußerungen lösten scharfe Reaktionen der beiden renommierten Journalisten Dagmar Rosenfeld und Robin Alexander aus, die zu öffentlichen Wortgefechten und schließlich einem Rücktritt führten.

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Auslöser der Kontroverse war Steingarts Veröffentlichung von zehn Thesen für eine "schönere Medienwelt", in denen er unter anderem "ästhetischen Journalismus" forderte. Besonders problematisch nannte er dabei Host-Reads – ein Format, bei dem Moderator:innen Produkte direkt bewerben. Seiner Ansicht nach verwische diese Praxis die Grenze zwischen unabhängiger Berichterstattung und bezahlter Werbung. Zudem forderte er Journalisten auf, etwaige Zahlungen für solche Werbeformate offen zu legen.

Steingart verschärfte seine Kritik am Dienstag und betonte, sein Vorwurf richte sich gegen das Werbeformat selbst, nicht gegen einzelne Journalisten. Er bezeichnete die Praxis als "schäbig", bestritt jedoch, jemanden persönlich angegriffen zu haben. Dennoch fühlte sich Dagmar Rosenfeld, die gemeinsam mit Robin Alexander den Podcast Machtwechsel moderiert – in dem ebenfalls Host-Reads vorkommen –, direkt betroffen. In der Folge trat sie von ihrer Kolumnistinnentätigkeit bei The Pioneer zurück.

Alexander konterte Steingarts Vorwürfe scharf. Kein Geld der Welt, so sein Argument, könne den Mangel an "Anstand und Stil" in der Vorgehensweise des Kritikers ausgleichen.

Seit Mai 2024 gab es keine weiteren Meldungen über die Auswirkungen der Debatte oder die allgemeine Verbreitung von Host-Reads in deutschen Podcasts.

Der Streit endete damit, dass Rosenfeld nicht mehr für The Pioneer schreibt, und legte die Spannungen um ethische Grenzen in der Podcast-Werbung offen. Steingarts Forderung nach Transparenz bei bezahlten Empfehlungen bleibt ein polarisierendes Thema – ohne dass sich seit seiner Kritik größere Branchenveränderungen abzeichnen. Die Auseinandersetzung hat gezeigt, wie unterschiedlich die Meinungen darüber sind, wo Journalismus aufhört und kommerzieller Einfluss beginnt.

Quelle