22 March 2026, 02:05

Missbrauchskommission wirft Bistum Erfurt Behinderung der Aufarbeitung vor

Historisches Prozessdokument zeigt Gerichtssaal mit Porträts, Vorhängen und Text.

Unabhängige Kommission zur Aufarbeitung von Sexualmissbrauch klagt über Hindernisse in der Diözese Erfurt - Missbrauchskommission wirft Bistum Erfurt Behinderung der Aufarbeitung vor

Eine unabhängige Kommission, die sexuellen Missbrauch im Bistum Erfurt untersucht, wirft Kirchenvertretern vor, ihre Arbeit behindert zu haben. Das Gremium, das 2021 eingerichtet wurde, behauptet, die Behörden hätten unter Berufung auf den Datenschutz und die Sorge vor einer Retraumatisierung der Opfer Versuche blockiert, frühere Missbrauchsfälle aufzuarbeiten. Der jüngste Bericht der Kommission wurde kurz vor der Beerdigung des früheren Bischofs Joachim Wanke veröffentlicht und hat die Spannungen innerhalb des Bistums erneut entfacht.

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Die Kommission begann im Oktober 2021 mit der Untersuchung von Missbrauchsfällen im Bistum, wobei sie sich auf Vorfälle seit 1945 konzentrierte. Bis zum 29. Oktober 2024 hatte sie 64 Fälle bestätigt oder untersucht, die Minderjährige und schutzbedürftige Personen betrafen. Unter den Beschuldigten befanden sich 25 Kleriker.

Ursprünglich hatte das Gremium erwogen, rechtliche Schritte gegen das Bistum einzuleiten, verzichtete jedoch darauf, da es lange Gerichtsprozesse fürchtete. Stattdessen entschied es sich, seine Erkenntnisse zu veröffentlichen – darunter auch die Vorwürfe, Kirchenführer hätten die Ermittlungen behindert.

Bei einem Gedenkgottesdienst für Wanke räumte der amtierende Bischof Ulrich Neymeyr ein, der verstorbene Bischof habe um Vergebung für frühere Entscheidungen im Umgang mit missbrauchenden Priestern gebeten. Später kritisierte Neymeyr jedoch den Jahresbericht der Kommission und wies die darin erhobenen Vorwürfe als unbegründet zurück. Die Veröffentlichung des Berichts – einen Tag vor Wankes Beerdigung – verschärfte die Kontroverse zusätzlich.

Die Kommission plant nun, ihren Abschlussbericht im Herbst vorzulegen, in dem sie ihre Erkenntnisse und Empfehlungen zusammenfassen wird.

Die Arbeit der Kommission hat tiefe Gräben zwischen den Ermittlern und den Kirchenvertretern offenbart. Angesichts von 64 bestätigten Fällen und 25 beschuldigten Klerikern wird der Abschlussbericht voraussichtlich maßgeblich beeinflussen, wie künftig mit der Aufarbeitung umgegangen wird. Das Bistum steht unter Druck, auf die Vorwürfe zu reagieren, bevor der Bericht im Herbst erscheint.

Quelle