05 April 2026, 10:05

Rechtsextreme Gewalt gegen zivilgesellschaftliche Projekte erreicht 2025 traurigen Rekord

Eine große Gruppe von Menschen mit Fahnen und Spruchbändern mit dem Text "Lgbtq+ Rechte Demonstration in Berlin", die vor einem Gebäude mit einem Kran und einem bewölkten Himmel stehen.

Rechtsextreme Gewalt gegen zivilgesellschaftliche Projekte erreicht 2025 traurigen Rekord

Zivilgesellschaftliche Gruppen in Deutschland verzeichneten 2025 einen drastischen Anstieg von Angriffen – insgesamt 112 Vorfälle, im Schnitt fast einer alle drei Tage. Die Amadeu Antonio Stiftung dokumentierte Bedrohungen, Vandalismus und Gewalt, die sich häufig gegen Antidiskriminierungs- und Jugendprojekte richteten. Expert:innen warnen, dass die AfD zwar Gegner:innen mit hetzerischer Rhetorik brandmarkt, andere extremistische Akteur:innen jedoch zu körperlichen Übergriffen und Sachbeschädigungen übergehen.

Im Juni wurde das Rainbow Center in Cottbus nur Tage vor den lokalen Christopher Street Day-Feierlichkeiten in Brand gesteckt. Einen Monat zuvor war ein autonomes Jugendzentrum in Hannover mit Buttersäure beschmiert worden, woraufhin es vorübergehend schließen musste. Die Hälfte aller registrierten Angriffe ereignete sich in Ostdeutschland, wo Aktivist:innen von anhaltender Feindseligkeit berichten.

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Der Sozialarbeiter Bastian Drumm von der Kontaktstelle Holler erhielt nach öffentlicher Kritik an rechtsextremen Aktivitäten Morddrohungen, Hasspost und extremistische Aufkleber. Er kritisierte die jüngste Entscheidung der Bundesregierung, das Förderprogramm "Lebendige Demokratie!" umzustrukturieren – dadurch stehen nun 200 Projekte, darunter sein eigenes, ohne gesicherte Zukunftsfinanzierung da. Bundesbildungsministerin Karin Prien (CDU) hatte die Neuausrichtung des Programms angekündigt, die eine erneute Antragstellung für Fördergelder erfordert.

Drumm forderte eine deutlichere politische Rückendeckung und rief konservative Bürger:innen sowie CDU-Mitglieder auf, sich sichtbar gegen rechtsextreme Strömungen zu stellen. Unterdessen verlangte der lokale AfD-Verband in Riesa, dass Jugendzentren alle Teilnehmer:innen namentlich und mit Adresse registrieren – ein Vorstoß, den Kritiker:innen als Einschüchterungsversuch werten.

Laut dem Bericht der Amadeu Antonio Stiftung zeigt sich ein Muster: Während die AfD Gegner:innen durch Diffamierung und Finanzkürzungen unter Druck setzt, führen andere rechtsextreme Gruppen direkte Gewaltakte aus. Eine genaue Aufschlüsselung, wie viele der Angriffe direkt auf AfD-Anhänger:innen zurückgehen, existiert zwar nicht – doch Forscher:innen betonen, dass die Parteirhetorik Extremist:innen bestärkt.

Der Anstieg der Gewalt setzt viele zivilgesellschaftliche Organisationen unter Druck, besonders in Ostdeutschland. Angesichts von Förderkürzungen und wachsender Bedrohung sehen sich Aktivist:innen sowohl mit bürokratischen Hürden als auch mit physischer Gefahr konfrontiert. Bisher fehlen seitens der Regierung konkrete Maßnahmen, um der Eskalation entgegenzuwirken.

Quelle