27 March 2026, 16:05

Regionalliga-Streit: Kompass- oder Regionalmodell – wer gewinnt die Zukunft des Fußballs?

Alte Deutschlandkarte auf Papier, die die Provinzen Bayern, Baden-Württemberg und Baden zeigt, mit Text zur Regionsbeschreibung.

Regionalliga-Streit: Kompass- oder Regionalmodell – wer gewinnt die Zukunft des Fußballs?

Eine hitzige Debatte ist über die künftige Struktur der deutschen Regionalliga entbrannt. Zwei gegensätzliche Vorschläge – das Kompassmodell und das Regionalmodell – spalten die Meinungen von Vereinsvertretern und Fußballverbänden. Die Entscheidung könnte den Unterbau des deutschen Fußballs neu gestalten und weitreichende Folgen für Reiseaufwand, Tradition und Chancengleichheit haben.

Im Mittelpunkt des Streits steht die Neuordnung der vier Regionalliga-Staffeln vor der Saison 2025. Eine 13-köpfige Arbeitsgruppe sprach sich einstimmig für ein System mit vier Ligen und Aufstieg in die 3. Liga aus. Doch nun liegen zwei konkurrierende Pläne auf dem Tisch: das Kompassmodell, das durch jährliche Anpassungen der Staffeleinteilung vor allem die Reisezeiten verkürzen soll, und das Regionalmodell, das die Nord-, Nordost- und Bayern-Ligen zu zwei Staffeln zusammenlegt, während West und Südwest unverändert bleiben.

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Die Kritik am Regionalmodell fällt scharf aus. Hermann Winkler, Präsident des Nordostdeutschen Fußballverbands (NOFV), nannte es "völlig realitätsfremd" und warf den Verantwortlichen vor, die Regionalliga Nordost zerschlagen zu wollen – eine Liga, in der 18 Vereine spielen, darunter Traditionsclubs wie Hallescher FC, Chemnitzer FC und FC Carl Zeiss Jena. Daniel Meyer, Sportdirektor des Halleschen FC, bezeichnete den Vorschlag als "schlechten Witz" und Zeichen für "besorgniserregende Fehleinschätzungen" der Führungsgremien. Winkler argumentierte, das Modell bestrafe kritische Vereine und setze politische Bequemlichkeit über sportliche Logik.

Befürworter des Kompassmodells hingegen sehen darin die gerechtere Lösung. Tommy Haeder, Sprecher der Kampagne "Aufstiegsreform 2025", beschrieb es als einzigen Ansatz, der in allen Ligen für Veränderung sorge und den Fußball vereine statt zu spalten. Toni Wachsmuth, Geschäftsführer von 1. FC Lokomotive Leipzig, unterstützte das Kompassmodell, betonte aber gleichzeitig die Notwendigkeit, die Identität der Regionalliga Nordost zu bewahren. Haeder warnte zudem, das Regionalmodell berge die Gefahr einer politischen Entscheidung mit langfristigen Folgen für die Struktur des deutschen Fußballs.

Die Regionalliga Nordost spielt in der Debatte eine besondere Rolle. Ihre Vereine – viele verbunden mit legendären Stadien wie Leipzigs Bruno-Plache-Stadion oder Jenas Ernst-Thälmann-Stadion – tragen eine tiefe historische Bedeutung. Jede Reform, die regionale Derbys gefährdet oder den Reiseaufwand erhöht, stößt auf sofortigen Widerstand.

Doch selbst die einstimmige Empfehlung der Arbeitsgruppe für ein Vier-Ligen-System hat die Spannungen kaum gemildert. Während Vereinschef und Verbandsvertreter uneins bleiben, wird die endgültige Entscheidung zeigen, ob Reiseeffizienz oder regionale Tradition Vorrang erhält. Das gewählte Modell wird zudem Maßstäbe setzen, wie der deutsche Fußball moderne Anforderungen mit seinen historischen Wurzeln in Einklang bringt.

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