Wehrpflicht kehrt zurück: Was junge Männer in Deutschland jetzt wissen müssen
Lina KrügerStand der Armee auf Jobmesse mit Farbe beschmiert - Wehrpflicht kehrt zurück: Was junge Männer in Deutschland jetzt wissen müssen
Deutschland hat eine Form der Wehrpflicht wieder eingeführt, um die Streitkräfte zu verstärken. Das neue System verlangt von allen Männern, die 18 Jahre alt werden, einen Fragebogen auszufüllen, der ihre Eignung für den Militärdienst bewertet. Frauen können sich freiwillig beteiligen.
Die Maßnahme geht einher mit einer groß angelegten Nachwuchskampagne, die in diesem Monat gestartet wurde, um die ehrgeizigen Personalziele der Bundeswehr zu erreichen.
Ein überarbeitetes Wehrpflichtgesetz trat Anfang dieses Jahres in Kraft und markiert damit eine Abkehr von der Aussetzung der allgemeinen Wehrpflicht im Jahr 2011. Nach den neuen Regeln müssen junge Männer einen Fragebogen zu ihrer körperlichen Tauglichkeit und Motivation für den Militärdienst ausfüllen. Frauen sind zwar nicht verpflichtet, können sich aber freiwillig melden.
Die Bundeswehr führt derzeit eine vierwöchige Rekrutierungskampagne über soziale Medien und Außenwerbung durch. Ziel ist es, bis Mitte der 2030er-Jahre 260.000 aktive Soldatinnen und Soldaten zu erreichen, darunter bis zu 20.000 Rekruten im Jahr 2026 für einen sechs- oder zwölfmonatigen Dienst. Die Kampagne soll zudem bürokratische Hürden für Reservisten abbauen und eine Truppe von 200.000 Reservisten aufbauen.
Kritik gibt es vor allem an den Rekrutierungspraktiken, insbesondere an Schulen. 2025 meldeten sich rekordverdächtige 3.131 Minderjährige an, allerdings liegen die Abbrecherquoten weiterhin bei 20 bis 25 Prozent. Einige werfen der Bundeswehr vor, irreführende Berufsberatung zu betreiben.
Proteste haben bereits stattgefunden. In Jena besprudelten etwa sechs Demonstranten einen Rekrutierungsstand mit Farbe, woraufhin sie wegen Sachbeschädigung angezeigt wurden. Die Polizei wies sie an, den Ort zu verlassen, was sie ohne Widerstand taten.
Das Gesetz erlaubt es nach wie vor, den Dienst mit der Waffe aus Gewissensgründen zu verweigern – ein Recht, das durch das Grundgesetz geschützt ist. Sollte die Rekrutierung hinter den Erwartungen zurückbleiben, könnte der Bundestag eine "Bedarfsgerechte Wehrpflicht" einführen, die sich am tatsächlichen Personalbedarf orientiert.
Das neue System zielt darauf ab, die Reihen der Bundeswehr zu stärken und dabei freiwillige Teilnahme mit rechtlichen Schutzmechanismen in Einklang zu bringen. Falls die Ziele nicht erreicht werden, könnten weitere Maßnahmen ergriffen werden, um den Personalbedarf zu decken. Das Recht auf Kriegsdienstverweigerung bleibt laut Grundgesetz unverändert bestehen.