12 March 2026, 10:07

Wie Nachbarschaftshilfen in Sachsen-Anhalt Pflegebedürftige vor dem Vergessen bewahren

Ein Plakat, das Hannover, Deutschland bewirbt und ein paar Gebäude, Bäume und Text zeigt, der Informationen über die Stadt enthält.

Nachbarschaftshilfe wächst in Sachsen-Anhalt - Wie Nachbarschaftshilfen in Sachsen-Anhalt Pflegebedürftige vor dem Vergessen bewahren

In ganz Deutschland unterstützen tausende Freiwillige ältere und pflegebedürftige Nachbarn mit lebenswichtiger Hilfe. Die sogenannten Nachbarschaftshilfen erledigen Besorgungen, helfen im Haushalt und leisten Gesellschaft. Doch trotz ihrer wachsenden Zahl beantragen viele Berechtigte die ihnen zustehende finanzielle Unterstützung nicht.

Allein in Sachsen-Anhalt haben sich über 4.000 Menschen als Nachbarschaftshelfer registriert. Ihre Arbeit schließt Versorgungslücken, doch Hindernisse wie Schamgefühle und mangelnde Aufklärung verhindern eine breitere Inanspruchnahme der verfügbaren Leistungen.

Kerstin Kränzel, eine 60-jährige Freiwillige aus Sachsen-Anhalt, begleitet jede Woche eine ältere Dame mit eingeschränkter Mobilität beim Einkaufen. Für Kränzel geht es dabei um mehr als praktische Hilfe – es ist eine Möglichkeit, den engen Gemeinschaftsgeist wiederzubeleben, den sie aus den Wohnungsgenossenschaften der DDR kennt. Dort unterstützten sich Nachbarn wie vertraute Freunde.

Viele Helfer teilen ihre Motivation. Frauen stellen mit 70 Prozent die Mehrheit der Freiwilligen, die meisten sind Rentnerinnen oder stehen kurz vor dem Ruhestand. Ihr Engagement reicht vom Begleiten zu Terminen bis hin zu einfachen Gesprächen. Dennoch bleibt die finanzielle Förderung oft ungenutzt: 2024 erhielten nur 56,7 Prozent der 103.000 anspruchsberechtigten Versicherten in Sachsen-Anhalt die monatliche Entlastungspauschale von 131 Euro aus der Pflegeversicherung.

Die Schulungen für Helfer wurden ausgeweitet, um die Nachfrage zu bedienen. 2025 sind 97 Kurse à 45 Minuten geplant, die jeweils achtmal stattfinden. Brandenburg führte im Januar 2026 eine offizielle Anerkennung ein: Nach einer Schulung müssen sich Helfer über das LASV-Portal registrieren. Dennoch gibt es bundesweit keine einheitlichen Zahlen zu aktiven Helfern – eine Lücke, die das volle Ausmaß ihres Engagements unklar lässt.

Ein zentrales Problem ist die Stigmatisierung. Viele scheuen sich, Hilfe anzunehmen oder Pflege in Anspruch zu nehmen, selbst wenn sie verfügbar ist. Diese Zurückhaltung führt dazu, dass Freiwillige wie Kränzel und andere die Lücken füllen – oft ohne die vorgesehene finanzielle Würdigung.

Das Netzwerk der Nachbarschaftshilfen wächst weiter, mit strukturierten Schulungen und regionaler Anerkennung. Über 4.000 registrierte Helfer allein in Sachsen-Anhalt zeigen den Bedarf an lokaler, persönlicher Betreuung. Doch ohne mehr Aufklärung über finanzielle Ansprüche und gezielte Maßnahmen gegen die Stigmatisierung werden viele weiterhin auf Unterstützung verzichten, die ihr Alltagsleben erleichtern könnte.

Quelle