Wie Seemannslieder und maritime Klänge ein Leben prägten
In der Nähe der Howaldtswerke-Werft in Kiel aufgewachsen, war der Autor von den Klängen der Industrie und des Meeres umgeben. Nieten klirrten, Möwen schrien, Nebelhörner hallten wider, während Schiffe in den Förde glitten. Diese frühen Eindrücke prägten eine lebenslange Verbindung zur maritimen Kultur – eine Welt voller Musik, Erinnerung und der Sehnsucht nach fernen Horizonten.
Die Traditionen der Seemannslieder und Chöre in Hafenstädten wie Kiel und Hamburg reichten tief. Sie waren mehr als bloße Unterhaltung; sie verbanden die Gemeinschaften, besonders in der Nachkriegszeit. Von Akkordeonorchestern bis zu Kirchenchören trugen diese Lieder Geschichten von Abschied, Mut und dem ewigen Ruf des Meeres in sich.
Als Kind beobachtete der Autor, wie Militär- und Handelsschiffe aus der Ferne einliefen – ihr Anblick weckte Aufregung. Der Anblick der Schiffe, die in Kiel vor Anker gingen, ließ ein junges Herz höher schlagen. Zu Hause begleiteten die Seemannslieder von Hans Albers, dem "blonden Hans", die Familienausflüge wie ein steter Begleiter.
Albers' Rolle als Hannes Kröger in dem Film Große Freiheit Nr. 7 aus dem Jahr 1944 hinterließ bleibende Spuren. Die Geschichte handelt von Kröger, einem Seemann, zerrissen zwischen seiner Liebe zu "La Paloma" und der Sehnsucht nach dem Meer. Enttäuscht vom Leben in St. Pauli heuert er schließlich auf der Padua an – Hamburgs letztem großen Segelschiff, das heute als russisches Schulschiff Krusenstern unterwegs ist – und sticht erneut in See.
Auch das eigene Leben des Autors verflocht sich mit diesem maritimen Teppich. Im Kirchenchor sang er neben einem bassstarken Mitglied des Lotsen-Gesangvereins, eines 1929 gegründeten Lotsenchors. Später sollten Besuche auf Hochseeschiffen noch immer zu Gesangsaufführungen von Freddy Quinns Einmal noch nach Bombay anregen – ein Verweis auf die ungebrochene Romantik des Meeres.
Über die persönlichen Erinnerungen hinaus spielten Seemannslieder und Chöre eine größere Rolle in den deutschen Hafenstädten. Gruppen wie die Ostseekrabben, ein 1980 bei Kiel gegründetes Akkordeonorchester, verbanden Shanties mit anderer Musik bei Konzerten und Adventskonzerten. Diese Treffen festigten den Gemeinschaftssinn und hielten die Traditionen in der Nachkriegszeit am Leben. Selbst moderne Lieder wie Jens-Peter Mickmanns 2026 erschienener Titel Fort vom Michel greifen Themen wie den Aufbruch vom Hamburger Michel, Freiheit und den Mut, sich dem Unbekannten zu stellen, auf.
Das Meer hat seit jeher Musik inspiriert und sowohl persönliche Schicksale als auch kulturelle Traditionen geprägt. Für den Autor wurden die Geräusche der Werften, die Chöre und die Stimme von Albers zum Soundtrack eines Lebens. Gleichzeitig bleiben Seemannslieder und maritime Chöre in Städten wie Kiel und Hamburg eine lebendige Verbindung zur Vergangenheit – zu hören in Konzertsälen, Kirchen und bei gelegentlichen Treffen auf hoher See.






