Warum viele nur noch "Präsenz zeigen" – statt wirklich im Büro zu arbeiten
Emma MayerWarum viele nur noch "Präsenz zeigen" – statt wirklich im Büro zu arbeiten
Immer mehr Beschäftigte kehren ins Büro zurück, da Unternehmen nach Jahren flexibler Arbeitsmodelle die Präsenzpflicht verschärfen. Doch viele Arbeitnehmer geben offen zu, dass sie nur auftauchen, um gesehen zu werden – nicht, weil sie im Büro produktiver wären. Eine aktuelle Umfrage zeigt: Über die Hälfte der Mitarbeiter könnte von zu Hause aus besser arbeiten, fühlt sich aber unter Druck, sichtbar zu bleiben.
Eine Studie des Jobportals Indeed ergab, dass 56,6 % der Beschäftigten nur ins Büro kommen, um ihre Anwesenheit zu beweisen – obwohl sie ihre Aufgaben zu Hause effizienter erledigen könnten. Weitere 25,4 % bleiben länger, einfach weil ihr Vorgesetzter noch im Gebäude ist, selbst wenn ihre Arbeit bereits erledigt ist.
Viele Angestellte inszenieren mittlerweile ihre Produktivität, um den Erwartungen zu entsprechen. Rund 27,7 % stellen ihren Status manuell auf "verfügbar", während sie im Homeoffice arbeiten, um nicht untätig zu wirken. Gleichzeitig würden 66,2 % sogar eine Gehaltskürzung von 5 % akzeptieren, wenn ihre Leistung ausschließlich nach Ergebnissen – und nicht nach Büropflicht – bewertet würde.
Große deutsche Konzerne treiben die Rückkehr zur Präsenzarbeit voran. Unternehmen wie SAP, Otto und Volkswagen haben ihre Mitarbeiter zurückgerufen, während Vodafone strenge Präsenzquoten eingeführt hat. Der Wandel folgt auf die gelockerten Regeln während der Pandemie, doch es gibt keine klaren Daten darüber, wie viele Großunternehmen seit 2023 die Büropflicht wieder verbindlich gemacht haben.
Um das Büro attraktiver zu gestalten, wünschen sich 47,3 % der Beschäftigten kürzere Anfahrtswege oder Zuschüsse für den Arbeitsweg. Doch die Umfrage legt nahe: Physische Anwesenheit garantiert nicht automatisch höhere Produktivität.
Der Trend zur Rückkehr ins Büro hält an – doch viele Arbeitnehmer zweifeln an den Vorteilen. Sie passen ihr Verhalten an die Sichtbarkeitsanforderungen an, selbst wenn das die Effizienz nicht steigert. Unternehmen stehen nun vor der Herausforderung, Präsenzregeln mit tatsächlichen Leistungsergebnissen in Einklang zu bringen.






